Die Friedensjagd

Gedanken zum Sonntag

Es ist kurz nach sieben, als der Wecker klingelt. Doch dank der nächtlichen Zeitumstellung meldet mein Körper noch eine andere Uhrzeit, während er sich aus dem Bett schleppt. Die Morgenroutine verläuft heute zäher denn je. Viel zu spät verlasse ich meine Wohnung und schaue gestresst auf die Uhr. In zwei Minuten kommt der Bus; daher renne ich das Treppenhaus hinunter, klaube meine runterpurzelnden Kopfhörer von den Stufen und jage zur Haltestelle. Zu spät. Und dennoch das Wunder: Mein Busfahrer wartet auf mich. In der geöffneten Tür spiegelt sich die Morgensonne und mit strahlendem Zwinkern wird mir versichert: Das hol’ ich schon wieder ein. Dankbarkeitsmurmelnd stolpere ich in den Bus. Eine Anzeige meines Smartphones meldet mir: Dies ist der einzige Bus, der mich heute rechtzeitig in Richtung Kirche bringen kann - die spätere Fahrt entfällt. Erst nachher im Zug fällt die Anspannung langsam von mir ab. Direkt in meine Ohren singt mir Sabrina Stark irgendetwas mit "der Sonne folgen". Heute sucht der Algorithmus die Songs für mich aus, weil ich zu zerstreut bin, um es selbst zu tun. Eine weitere Mitteilung verrät mir, dass mich vor der Kirche gleich ein Banner begrüßen wird.
SUCHE DEN FRIEDEN UND JAGE IHM NACH (PSALM 34,15)
steht dort seit gestern. Das mit dem Jagen habe ich drauf, denke ich, besonders nach so einem Morgen habe ich Training. Aber das Friedensuchen? Wann mache ich das bewusst? Kommt nicht viel zu oft der Alltag dazwischen, der meinen inneren Frieden wieder zermalmt? Ist nicht so viel Unfrieden auf der Welt, der mir den Zugang zum Frieden verweigert?

Nachdenklich beginne ich meine Gottesdienstvorbereitung. Überlege, was mich gleich erwarten wird. Eine lebendige Gemeinde, die selbst Coronaeinschränkungen zu einer Tugend machen kann. Eine Gemeinde, in der Konfirmationen, Ordinationen, Apostelgottesdienste gefeiert werden. Mit der ich Weltgebetstage erlebe, Jugendchor auf Campingstühlen im Garten, Sonntagsschule gebe. Jeder Gottesdienst wird hier liebevoll zelebriert. Vielleicht kann ich mit meiner Gemeinde zusammen den Frieden suchen an diesem Sonntag?

Auf dem Bahngleis blendet die Sonne mich erneut und ich beschließe, heute zu Fuß zur Kirche zu gehen. Den Berg hoch, vorbei an der evangelischen Kirche, die plakatiert ist:
SELIG SIND, DIE FRIEDEN STIFTEN.

Gerade als ich den Einkaufsladen neben mir lasse, höre ich erneut die Stimme von Sabrina Starke. Dasselbe Lied. Trotz der algorithmischen Unmöglichkeit. Nun achte ich gezielter auf den Text; sie singt auf Englisch: „Ich folge der Sonne, folge ihr nach Hause. Wo auch immer sie mich hinträgt, treffen wir uns, dahin werde ich gehen.“ Das Lied verklingt, als ich im Kirchengarten zwischen blauen Blumen stehe. Ich weiß, es ist nicht selbstverständlich, dass ich heute in meiner Gemeinde angekommen bin. Ich weiß, ich werde den Frieden immer wieder suchen müssen. Aber ich weiß auch: Bei Gott bin ich Zuhause.

Mit der Friedensbanner-Aktion macht der Kirchenkreis Altholstein auf die Kriegsangriffe in der Ukraine aufmerksam. Wir beten für den Frieden in der Ukraine, halten Fürbitte für Vertriebene und Opfer und hoffen auf baldige Beendigung des Kriegs.